Sie helfen Familien in Notsituationen

Nein zu Gewalt an Frauen

Mit verschiedenen Veranstaltungen des Zeitzer Frauenhauses wird für die Rechte der Frau gekämpft.

Zeitz (mh). Geschlagen, bedroht und gedemütigt – viele Frauen leben viele Jahre mit ihrem gewaltbereiten Mann zusammen, bevor sie sich Hilfe suchen. Diese Frauen finden gemeinsam mit ihren Kindern im Frauenhaus in Zeitz Schutz. Dabei sind Konfession und Nationalität irrelevant. Neben der Unterbringung gehören auch vielfältige Beratungen zu den Aufgaben der Mitarbeiterinnen des Zeitzer Frauenhauses. Die Beratungen zielen darauf ab, einen Aufenthalt zu vermeiden. Dafür wird versucht, die familiären Strukturen zu erhalten und zu stützen. Janina Bergk ist seit 5 Jahren Mitarbeiterin im Frauenhaus Zeitz. Die 36-jährige Erziehungswissenschaftlerin  erklärt im Interview mit Super Sonntag, warum auch noch im Jahr 2018 Frauen Gewalt angetan wird.

Super Sonntag: Männer schlagen und bedrohen ihre Frauen auch heutzutage noch. Können Sie dafür Gründe nennen?
Janina Bergk: Eigentlich müssten wir dies die Männer fragen. In manchen Fällen habe ich dies auch schon gemacht und die Männer gaben an die Kontrolle in Konfliktsituationen verloren zu haben oder selbst von dem Vorfall nichts mehr zu wissen- „…es ist wie ein Filmriss…“. Eine wesentliche und nicht zu unterschätzende Rolle spielen Alkohol- und andere Suchterkrankungen, die die Hemmschwellen herabsetzen, sowie Unzufriedenheit, Machtausübungen, finanzielle Nöte…

Super Sonntag: Warum kommen die meisten Frauen ins Zeitzer Frauenhaus?
Janina Bergk: Sie erleben häusliche Gewalt. Stellen sie sich vor, in dem Raum, in dem man sich sicher und geborgen fühlt, kommt es zu Übergriffen und dieser geschützte Raum beginnt zu zerbrechen. Genau das ist was nicht nur die Frauen sondern häufig auch die Kinder erleben. Es kommt zu großer Verunsicherung, Angst bis hin zu schwerer Traumatisierung. Gewalt ist dabei nicht nur die körperliche Gewalt sondern auch psychische Gewalt, sexuelle Gewalt und soziale Gewalt. Die soziale Gewalt führt häufig zu einer massiven Isolation und Abhängigkeit der Frau vom Täter, dabei reden wir bspw. von Frauen, die z.B. nicht mehr wissen bei welcher Krankenkasse sie versichert sind oder wie man einen Kontoauszug zieht.

Super Sonntag: Es ist also immer noch wichtig für ein gewaltfreies Leben für Frauen zu kämpfen. Anlässlich des Anti-Gewalt-Tages „ Terre des Femmes“ gegen Frauen wird am Freitag, dem 23. November auch die Fahne am Rathaus Zeitz gehisst. Terre des Femmes ist ein 1981 gegründeter gemeinnütziger Verein, der sich für ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben von Mädchen und Frauen weltweit einsetzt.  Wie kann man diese Aktion unterstützen?
Janina Bergk: Generell kann man die Arbeit des Frauenhauses immer unterstützen, neben finanzieller Unterstützung (in Form von Spenden) ist natürlich auch das Weitertragen von Informationen und Hilfsangeboten sehr wichtig. Die Frauen- und Kinderschutzwohnung Zeitz erreicht man 24 Stunden auf dem Notruftelefon 0160 – 648 4913. Die Enttabuisierung und das Erhöhen der eigenen Sensibilität sollte außerdem eine wichtige Rolle spielen.

Super Sonntag: Das Frauenhaus wurde vor sechs Jahren vorübergehend geschlossen. Was hätte das für die Frauen in der Region bedeutet?
Janina Bergk: Ganz einfach, keine Beratung und keine Schutzeinrichtung vor Ort. Frauen und Kinder die den Schritt in die für sie große Ungewissheit wagen, hätte zudem auch ihren Wohnort verlassen müssen. Das bedeutet neben dem Verlassen des Zuhauses auch die Freunde, die Schulkameraden, die Arbeitskollegen und vielleicht sogar die restliche Familie zu verlassen. Bereits 2005 hatte ich neben meinem Studium als Praktikantin in der Frauen- und Kinderschutzwohnung gearbeitet, schon da wurde mir offensichtlich, dass dieses Hilfsangebot genutzt und gebraucht wird. Es war gut, dass sich dann mit der AMBULife gGmbH schnell ein neuer Träger für das Frauenhaus gefunden und es wieder eröffnet hat.

Super Sonntag: Kennen Sie auch Fälle, in denen Männer von ihren Frauen gepeinigt werden? Wohin können sich diese Männer wenden?
Janina Bergk: Diese Fälle gibt es definitiv. Es gibt auch entsprechende Einrichtungen für Männer, meiner Kenntnis nach müsste eines in Magdeburg sein. Einen Ansprechpartner dafür findet man für unser Einzugsgebiet in Halle bei Pro Mann. Dort arbeiten sehr gute Kollegen, die sich sowohl der Täterarbeit als auch der Opferarbeit mit Männern verschrieben haben.

Super Sonntag: Am Mittwoch, dem 5. Dezember hatte das Frauenhaus Zeitz zu der Veranstaltung „Wege aus der Sucht“ eingeladen. Für wen war der Termin in Zeitz interessant?
Janina Bergk: Jedes Jahr anlässlich des Tages gegen Gewalt an Frauen und Kindern machen wir als Frauen- und Kinderschutzwohnung eine Öffentlichkeitsveranstaltung, um auf diese Hilfsform hinzuweisen oder Probleme unserer Arbeit zu benennen. In vergangenen Jahr gab es am 5.12.2018  im Hause der Jugend in Zeitz eine Veranstaltung zum Thema „Wege aus der Sucht“. Es gab verschiedene Beiträge von Betroffenen, Helfern (Kliniken, Suchtberatung, Substitution, Wohnformen etc.). Die Veranstaltungen richten sich an alle, die sich mit der Thematik Sucht, sowohl im Vorfeld als auch was man tun kann, wenn es schon soweit ist, auseinandersetzen. Unsere tägliche Arbeit hat uns gezeigt, dass die Suchtproblematik in Zeitz und Umgebung sehr stark zugenommen hat und uns vor neue Herausforderungen stellt. Deshalb wollten wir dies zum Thema machen.

Super Sonntag: An diesem Tag hatte der Weißenfelser Sebastian Caspar über seinen Roman „Zone C“ sprechen. Um was geht es in seinem Buch?
Janina Bergk: In dem Buch beschreibt Herr Caspar den Weg eines jungen Mannes (Sten) in einer Kleinstadt irgendwo im Osten Deutschlands. Zwischen Plattenbauten, verwaisten Einkaufscentern und miesen Jobs sucht Sten nach einem Weg aus der Einsamkeit. Sein Vater hat die Familie verlassen, seine Mutter hat mit sich selbst genug zu tun. Seine große Liebe Asic ging zum Studieren in den Westen. Für Sten gibt es nur ein Mittel gegen die Einsamkeit: Chrystal Meth. Inzwischen braucht er es, um überhaupt den Tag zu überstehen. Er zieht es sich oft durch die Nase. Zwischendurch gibt es Schmerztabletten, kleine Wunderpillen oder einen Joint. Und Sten kennt niemanden, der clean ist. Ich bin der Meinung Caspar trifft mit diesem Buch genau den Punkt und „Sten“ ist/wäre auch in Zeitz keine Seltenheit.

Super Sonntag: Warum ist in Zeitz gerade diese Problematik besonders wichtig zu beleuchten?
Janina Bergk:  Die Zahlen der Menschen mit Suchtproblematik ist sehr hoch, auch an uns im Frauenhaus geht dies nicht vorbei. Während wir früher nur selten und dann meistens mit Alkohol konfrontiert waren, betraf es im letzten Jahr jede vierte Frau, die mit einer Suchtproblematik bei uns Hilfe suchte.

Super Sonntag: Woran liegt es, dass es in Zeitz besonders viele Drogenabhängige gibt? Was ist Ihre Meinung?
Janina Bergk: Ich habe lange über diese Frage nachgedacht und auch einige Gespräch diesbezüglich geführt. Sicherlich könnte man jetzt wieder die Nähe zu Tschechien anführen, aber ich glaube nicht, dass dies der herausragende Grund ist. Ich denke Zeitz ist eine Kleinstadt, nahezu jeder kennt jeden oder jeder kennt einen, der wieder jemanden kennt. Was ich sagen möchte: es ist ziemlich einfach an die Droge/ Drogen zu kommen und dies vereinfacht natürlich alles. Außerdem denke ich, dass leider vielen die „richtigen“ Vorbilder (also keine Gangsterrapper, die den Konsum und die damit verbundene Gewalt/ Kriminalität verherrlichen) fehlen.

Super Sonntag: Oft trauen sich Frauen nicht, sich an das Frauenhaus zu wenden. Was möchten Sie diesen Frauen sagen um sie zu ermutigen?
Janina Bergk: Ich kann niemanden die Angst vor etwas Neuem nehmen, denn diese Angst ist ganz normal. Was man nicht kennt bereitet Angst oder zumindest Unbehagen. Aber ich möchte sagen: „NEIN, wir haben keine Gitter vor den Fenstern und alles liegt in der Eigenverantwortung der Frau!“ Wir stellen die Hilfe und Unterstützung zur Verfügung. In welchem Rahmen und in welcher Intensität die Frauen und auch Familien dies annehmen wollen ist ihnen selbst überlassen. Denn wir möchten einen Weg der Selbstbestimmtheit ebnen und nicht neuen Druck und Zwang aufbauen.

Das Frauenhaus in Zeitz ist über die Notfallnummer 0160 – 64 84 913 täglich 24 Stunden zu erreichen.

Neben praktischen Helfern benötigt das Frauenhaus auch Ihre finanzielle Unterstützung.

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Kontoinhaber:
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